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Zum Nachdenken
Der Pachuco und andere Extreme
Uns allen hat sich irgendwann unser Dasein als etwas Besonderes,
Unübertragbares und Kostbares offenbart. Fast immer geschieht diese
Offenbarung in der Jugend. Die Entdeckung unserer selbst bekundet sich als
eine Erfahrung unserer Einsamkeit. Zwischen uns und der Welt öffnet sich
eine unspürbare, durchsichtige Mauer: die unseres Bewußtseins. Ja, kaum sind
wir geboren, fühlen wir uns schon einsam. Kindern und Erwachsenen gelingt
es, durch Spiel und Arbeit sich selber zu vergessen und so ihre Einsamkeit
zu überwinden; der Jüngling aber, der zwischen Kindheit und Mannesalter
schwankt, steht für einen Augenblick vor dem unendlichen Reichtum der Welt
still und betrachtet verwundert sein Dasein. Dem Staunen folgt das
Nachdenken: über den Strom seines Bewußtseins gebeugt, fragt er sich, ob
dieses Gesicht, das allmählich aus der Tiefe steigt und vom Wasser entstellt
ist, das eigene sei. Das Einzigartige des Daseins im Kind noch reine
Empfindung verwandelt sich in Problem, Frage und Forscherdrang.
Völkern in der Wachstumskrise widerfährt Ähnliches: Ihr Dasein offenbart
sich als Frage: Was sind wir, und wie werden wir das verwirklichen, was wir
sind? Oft werden die Antworten auf diese Fragen von der Geschichte Lügen
gestraft; vielleicht deshalb, weil das, was man <Volksgeist> nennt, nur ein
Bündel von Reaktionen auf einen gegebenen Reiz ist; angesichts
verschiedenartiger Umstände können die Reaktionen verschiedenartig sein und
dementsprechend auch der Nationalcharakter, den man für unwandelbar hielt.
Octavio Paz in dem Essay: «Der Pachuco und andere Extreme», in: «Das
Labyrinth der Einsamkeit» (1969).
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